In seinem Vortrag „The Unseen (al-Ghayb)“ lenkte Bilal Assad den Blick auf einen Aspekt des Glaubens, der oft selbstverständlich klingt, im Alltag aber leicht in den Hintergrund rückt: das Verborgene. Gemeint sind jene Dimensionen des Daseins, die sich nicht messen, sehen oder beweisen lassen – und dennoch eine zentrale Rolle für unser Denken, Handeln und unsere innere Haltung spielen.
Aus islamischer Perspektive ist der Glaube an al-ghayb kein abstraktes Konzept, sondern eine Grundlage. Er prägt, wie wir Entscheidungen treffen, wie wir Verantwortung wahrnehmen und wie bewusst wir durch unseren Alltag gehen. Der Vortrag machte deutlich, dass das Unsichtbare nicht fern oder weltfremd ist, sondern eng mit dem Sichtbaren verbunden bleibt: mit unserem Verhalten, unseren Absichten und unserer Selbstreflexion.
„If your īmān is built only on what you can see, then your belief is built on sand.“
Bilal Assad
Ein wiederkehrendes Thema war die Verbindung zwischen innerer Haltung und äußerem Handeln. Glaube zeigt sich nicht nur in Worten oder Ritualen, sondern vor allem darin, wie konsequent Werte gelebt werden – auch dann, wenn niemand hinsieht. Gerade hier entfaltet das Bewusstsein für das Verborgene seine Wirkung: Es schärft die eigene Verantwortung und fördert eine Form von innerer Wachsamkeit, die nicht auf Kontrolle von außen angewiesen ist.
Besonders eindrücklich war der praktische Bezug. Der Vortrag blieb nicht auf einer rein spirituellen Ebene stehen, sondern lud dazu ein, den eigenen Alltag zu hinterfragen: Wie bewusst gehe ich mit meinen Entscheidungen um? Welche Rolle spielt meine innere Haltung im Umgang mit anderen Menschen? Und wie kann Glaube zu einer Quelle von Klarheit, Integrität und Verantwortung werden, im Privaten wie im Beruflichen?

„The Unseen“ war damit weniger eine theoretische Abhandlung als eine Einladung zur Reflexion. Eine Erinnerung daran, dass das, was wir nicht sehen, oft den größten Einfluss darauf hat, wer wir sind und wie wir handeln. Gerade in einer Zeit, die stark auf Sichtbarkeit, Leistung und äußere Erfolge fokussiert ist, setzt dieser Gedanke einen wichtigen Gegenakzent.
Der Vortrag hinterließ vor allem eine Frage, die nachwirkt: Wie bewusst leben wir eigentlich, und wovon lassen wir uns im Innersten leiten?